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Gewillkürte Erbfolge / Testamentsgestaltung

Zur individuellen Regelung der Erbfolge gibt es verschiedene Möglichkeiten:


In einem eigenhändigen Testament regelt eine Person allein die von ihr gewünschte Erbfolge.

Ein unleserlich geschriebenes privatschriftliches Testament ist dann unwirksam, wenn dessen Inhalt nicht zu entziffern ist. Grundsätzlich können Sie Ihr privatschriftliches Testament in Ihrer gewöhnten Schreibweise schreiben, damit sich später aufgrund ihrer Schrift sich auch nachweisen lässt, dass dieses Testament wirklich von Ihnen stammt. Muss die Unterschrift leserlich sein?Die Unterschrift sollte zumindest einen Rückschluss auf Sie zulassen. Unterschreiben Sie Ihr privatschriftliches Testament daher, sowie Sie sonst auch unterschreiben.


Ein Testament ist nur wirksam mit der Unterschrift des Erblassers. Sie können das Testament auch ununterschrieben in einen Briefumschlag legen, diesen versiegeln und nur mit Ihrem Namen unterschreiben. Dann ist das Testament auch wirksam. Doch Vorsicht, fügen Sie auf keinen Fall einen Zusatz (wie z.B. „Erst nach einem Tod öffnen“) auf den Briefumschlag hinzu, denn dann bezieht sich die Unterschrift auf diesen Zusatz. Ein solches Testament wäre unwirksam. Daher ist von dieser Art der Errichtung eines privatschriftlichen Testaments Abstand zu nehmen. Selbstverständlich ist es rechtlich zulässig ein unterschriebenes privatschriftliches Testament in einen Umschlag zu legen, diesen zu versiegeln und den Umschlag mit einem unterschriebenen Zusatz (wie. z.B. „erst nach meinem Tod öffnen“) zu versehen.


Ein notarielles Testament hat der Gesetzgeber in § 2231 Nr.1 BGB vorgesehen. Hierbei steht Ihnen die Möglichkeit offen, das Testament mündlich gegenüber einem Notar zu erklären oder selbst handschriftlich verfasst dem Notar zu übergeben. Wie viel ein notarielles Testament kostet, richtet sich nach dem Wert des Nachlasses und danach welche Tätigkeit Sie vom Notar in Anspruch nehmen. Dies kann mehrere Tausend Euro kosten.

Als Erben können Sie jede natürliche oder juristische Person bestimmten. Damit hat der Gesetzgeber auch klar gestellt, dass ein Haustier nie Erbe sein kann. Wollen Sie hingegen, dass auch nach Ihrem Tod ihr Haustier gut versorgt wird, so können Sie dies als Auflage in Ihrem Testament verfügen. Hierbei sollten Sie jedoch juristische Hilfe in Anspruch nehmen.Wie viele Erben Sie letztlich einsetzen, ist ganz Ihnen überlassen. Haben Sie vor mehrere Erben einzusetzen, so sollten Sie eine Teilungsanordnung treffen.

Wichtig ist bei der Erbeinsetzung, dass Ihr Erbe Ihr Gesamtrechtsnachfolger wird. Das kann man sich ungefähr so vorstellen, als ob Ihr Erbe voll und ganz an Ihre Stelle tritt. Ihr Erbe erhält dann nicht nur Ihr Vermögen, sondern ist auch eintrittspflichtig für Ihre Schulden und Verbindlichkeiten. Um späteren Zweifeln vorzubeugen sollte die Erbeneinsetzung möglichst deutlich geschehen. Schreiben Sie also zum Beispiel nicht nur „als Alleinerben setze ich meine/n beste/n Freund/in ein“, sondern erwähnen Sie diejenigen, die Sie als Erben einsetzen wollen, immer mit Vor- und Nachnamen.Bei der Auswahl ihrer Erben sollten Sie sich immer vor Augen halten, dass es einen Unterschied zwischen Erbeneinsetzung in einem Testament und Vermächtnis gibt.

Bei einem privatschriftlichen Testament brauchen Sie keinen Notar in Anspruch zu nehmen. Sie können es selbst erstellen. Hierbei sind jedoch gewisse Formvorschriften zu beachten, §§ 2064, 2231  Nr.2, 2247 BGB.Es ist beim privatschriftlichen Testament von äußerster Wichtigkeit, dass Sie das Testament eigenhändig handschriftlich vom Anfang bis zum Ende schreiben und am Ende auch selbst unterschreiben. Hierbei sollten Sie mit Ihrem Vor- und Nachnamen unterschreiben und mit dem genauen Datum und den Ort der Herstellung versehen. So lässt sich später das Testament eindeutig zuordnen. Ist ein privatschriftliches Testament nicht selbst geschrieben und unterschrieben, so ist es unwirksam. Daher ist auch ein Testament, das mit einer Schreibmaschine oder einem Computer erstellt ist, unwirksam.Beim Schreiben des privatschriftlichen Testaments können Sie sich natürlich, aber nur vom Inhalt her, helfen lassen.In praktischer Hinsicht ist es nicht erlaubt, dass jemand anderes Ihr Schreibgerät (Füller, Kugelschreiber) führt. Denn nur so ist sicher gestellt, dass die Eigenhändigkeit des privatschriftlichen Testaments gewahrt ist. Ein privatschriftliches Testament sollte dann grundsätzlich an einem sicheren Platz aufbewahrt werden. Falls Sie zu Hause einen Safe haben, so können sie es hier aufbewahren. Besser ist es jedoch das Testament bei einem Rechtsanwalt in Verwahrung zu geben und ihren Erben Bescheid zu geben, dass dieser Ihr Testament in Verwahrung hat.

Bei minderjährigen Erben stellt sich die Frage, wer die elterliche Sorge nach dem Ableben beider Elternteile übernimmt. Regeln beide Elternteile hierzu in deren Testament nichts, so bestimmt das Vormundschaftsgericht im Todesfall von Amts wegen für die vorhandenen minderjährigen Kinder einen Vormund. Dabei schaltet das Gericht zunächst das Jugendamt ein und wählt eine Person aus, die für die Führung der Vormundschaft geeignet ist. Normalerweise wird sich hierbei das Gericht zunächst im nächsten Verwandtenkreis umsehen, ob eine geeignete Person zu finden ist. Es ist jedoch auch durchaus möglich, dass das Vormundschaftsgericht die Auffassung vertritt, dass zwar Verwandte und Verschwägerte des minderjährigen Kindes vorhanden sind, diese aber in deren Augen nicht zur Führung der Vormundschaft geeignet sind. Daher ist es ratsam die Bestimmung des Vormundes nicht in die Hände des Vormundschaftsgerichts zu legen und dahingehend eine Regelung in das Testament aufzunehmen. Wen Sie dann als Vormund für Ihre minderjährigen Kinder einsetzen steht Ihnen weitestgehend frei. Dieser muss lediglich volljährig und voll geschäftfähig sein. Beide Elternteile sollten sich bei der Wahl des Vormundes einig sein und die zum Vormund bestimmte Person hierüber informieren. Außerdem sollten Sie auch einen Ersatzvormund benennen. Es steht Ihnen auch frei bestimmte Personen grundsätzlich vom Amt des Vormundes auszuschließen. Haben Sie jedoch einen Vormund wirksam durch Testament oder Erbvertrag bestimmt, so hat das Vormundschaftsgericht nur unter sehr strengen Voraussetzungen die Möglichkeit sich hierüber hinwegzusetzen. Falls Sie planen eine Regelung bezüglich der Vormundschaft mit in Ihr Testament oder Ihren Erbvertrag aufzunehmen, so empfiehlt es sich anwaltlichen Rat von einem Anwalt der Thieler Rechtsanwaltsgesellschaft mbH einzuholen. Ebenfalls empfiehlt es sich, auch Vorkehrungen hinsichtlich der Vormundschaft für Kinder innerhalb einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft zu treffen.

Schwieriger ist die Problematik der richtigen Formulierung des Erblasserwillens.
Um mehrdeutige Formulierungen zu vermeiden, die dem eigenen Willen gegebenenfalls nicht voll entsprechen, sollte eine Fachperson bei der Erstellung des Testaments zu Rate gezogen werden.
Vor dem Notar kann ein öffentliches Testament abgeschlossen werden.
Ehegatten haben die Möglichkeit, ein gemeinschaftliches Testament zu erstellen, das ein Ehegatte handschriftlich verfasst und der Ehepartner lediglich unterschreibt.
Weiter haben Ehegatten in einem gemeinschaftlichen Testament die Möglichkeit, ihre jeweiligen Anordnungen so miteinander zu verbinden, dass die einzelnen Anordnungen in ihrem Bestand voneinander abhängig sind. Widerruft ein Partner in der Folge solch eine sogenannte wechselbezügliche Verfügung oder erweist sich diese als nichtig, so verliert auch die mit dieser verknüpfte Anordnung des anderen Ehepartners ihre Wirksamkeit.
Am weitesten verbreitet ist das gemeinschaftliche Testament als sogenanntes "Berliner Testament".
Hier bestimmen die Ehegatten, dass ihr Vermögen im Falle des Ablebens des einen Partners zunächst dem überlebenden Ehepartner zufallen soll.
Erst nach dessen Ableben wird das Vermögen dann auf einen Dritten, meistens die Kinder, weiterübertragen.
Vor allem bei größeren Vermögen ist allerdings von einem reinen Berliner Testament aus steuerlichen Gründen abzuraten.
Nachdem im Falle des Berliner Testamentes die Kinder beim ersten Erbfall als enterbt gelten, muss der überlebende Ehegatte den ihm zufallenden Nachlass in voller Höhe versteuern.
Der auf die enterbten Kinder entfallende Freibetrag in Höhe von Euro 205.000 je Kind kann gegenüber dem Finanzamt nicht steuermindernd in Anrechnung gebracht werden, da die Kinder in den meisten Fällen auf die Geltendmachung des ihnen zustehenden Pflichtteils beim ersten Erbfall verzichten werden, wozu sie in vielen Fällen durch entsprechende Anordnungen im Testament angehalten werden.
Wer am Berliner Testament festhalten will, der sollte zumindest über entsprechende steuersparende Gestaltungsmöglichkeiten nachdenken, um nicht mit mehr Abgaben an den Fiskus belastet zu werden, als zwingend notwendig ist. Das Berliner Testament wird von vielen häufig unterschätzt. Es birgt erhebliche Gefahren in sich und kann zur ungewollten eingeschränkten Verfügbarkeit des Nachlasses führen. Bevor ein Berliner Testament in Betracht gezogen wird, sollte vorab ein Anwalt kontaktiert werden.

Die gewillkürte Erbfolge kann auch durch Erbvertrag geregelt werden.
Ein Erbvertrag muss von zwei Personen abgeschlossen werden.
Die Vertragspartner können einen Erbvertrag nur zur Niederschrift bei einem Notar abschließen.
Der Erbvertrag muss dabei eine Erbeinsetzung oder die Anordnung eines Vermächtnisses oder einer Auflage enthalten.
Erbverträge können entweder eine lediglich einseitige Verpflichtung für den Erblasser oder sogenannte wechselbezügliche Verfügungen des Erblassers auf der einen und des Begünstigten auf der anderen Seite enthalten.
An die im Erbvertrag getroffenen Regelungen ist der Erblasser dann auch grundsätzlich gebunden und kann diese nicht mehr nachträglich ändern.
Nur unter ganz engen Voraussetzungen kann eine Änderung des Erbvertrages erfolgen.